Verstopfung, der Beckenboden leidet

In den letzten Wochen habe ich bei meinen Beckenbodenchecks vermehrt Verstopfung bei der Abfrage der Anamnese festgestellt. Keine Ahnung, warum sich das jetzt gerade häuft. Aber ich merke, dass ich in der Beratung viel öfter danach frage als noch vor ein, zwei Jahren.

Dieser Artikel ist mein Versuch, das einzuordnen: warum Verstopfung für den Beckenboden mehr ist als ein Nachbarproblem, was ich Patientinnen zur Toilettenhaltung sage, und warum ich inzwischen regelmäßig den Tipp mit den zwei Kiwis weitergebe.

Häufiger Verstopfung im Sommer, eine Theorie

Eine Theorie, die ich gerade für mich durchdenke: Sommer, weniger trinken, mehr Schwitzen, das verändert die Stuhlkonsistenz schon allein. Dazu kommt oft eine andere Routine im Urlaub, andere Toilette, anderer Tagesablauf, manche bringt das ganz aus dem Rhythmus. Und unterwegs wird anders gegessen als zu Hause, die Ballaststoffmenge sinkt oft unbemerkt. Salate und kalte Sommergerichte wirken leicht, sind aber nicht automatisch ballaststoffreich, eher im Gegenteil. Viele typische Sommersalate, vor allem mit Blattsalat als Basis ohne Hülsenfrüchte oder Vollkorn, liefern wenig Ballaststoff.

Reine Vermutung von mir, keine geprüfte Erklärung, aber genug, um in der Beratung gezielter nachzufragen.

Warum Verstopfung den Beckenboden direkt betrifft

Verstopfung ist für den Beckenboden kein Nachbarproblem. Chronisches Pressen beim Stuhlgang dehnt über die Zeit die tragenden Strukturen, das beschreibt schon Petros in der Integraltheorie. Wie eng Nervensystem und Gewebespannung im Beckenboden zusammenhängen, habe ich auch in meinem

Artikel zum 450ms-Dilemma genauer aufgeschrieben.

Beim wiederholten starken Pressen wird auch der N. pudendus mechanisch gedehnt, diese Dehnung gilt als einer der Mechanismen hinter einer möglichen Denervierung des Beckenbodens. Die Verschlussfunktion kann darunter leiden, nicht weil der Muskel nicht trainiert wäre, sondern weil die Nervenversorgung gelitten hat.Wenn eine Patientin mir von Pressen beim Stuhlgang erzählt, frage ich inzwischen gezielter nach, wie stark und wie oft. Gerade jetzt, wo mir das gehäuft auffällt, will ich wissen, ob das ein akutes Sommerphänomen ist oder schon länger geht. Denn wird aus dem gelegentlichen Pressen ein chronisches, wird daraus ein eigenständiger Risikofaktor, unabhängig vom Beckenbodentraining. Man kann noch so gut trainieren, wenn die Nervenversorgung durch jahrelanges Pressen mitgelitten hat, stößt das Training an eine Grenze, die nichts mit mangelndem Einsatz zu tun hat.

Wasser, Bewegung, Ernährung, die Basics kennen wir alle, die spreche ich hier nicht extra aus. Ein Punkt kommt mir in der Beratung aber oft zu kurz: Stuhl zurückhalten. Je länger er im Darm bleibt, desto mehr Wasser wird wieder aufgenommen, der Stuhl wird härter, genau das begünstigt Verstopfung zusätzlich. Manche Patientinnen halten aus Zeitdruck zurück, manche aus Scham vor fremden Toiletten, manche aus alter Gewohnheit. Auch das frage ich inzwischen mit ab.

Die richtige Haltung auf der Toilette bei Verstopfung

Zur Haltung auf der Toilette sage ich auch öfter etwas. Gut belegt: nach vorne geneigt, Unterarme auf den Oberschenkeln, Füße leicht mit einem Hocker erhöht. Das öffnet den anorektalen Winkel und entspannt die Puborectalis-Schlinge, die Entleerung fällt leichter, mit weniger Druck.

Bei Ich empfehle auch die Haltung mal zu ändern. Mit aufgerichteter Wirbelsäule sitzen und leicht nach hinten neigen mit der Ausatmung. Dadurch werden die Bauchmuskeln aktiviert…sie sind ja “Fallverhinderer”. Dieser mechanischer Druck wirkt nach innen und ebenso auf den Darm und du wirst sehen, es lässt sich leichter schieben. In der Literatur zum anorektalen Winkel finde ich dafür keine Stütze, eher das Gegenteil. Trotzdem nenne ich es, weil es wirkt.

Alternative Sitzhaltung

Alternative Sitzhaltung

Schieben statt pressen, eine kleine Wortwahl mit großer Wirkung

Bei beiden Haltungen sage ich bewusst schieben statt pressen. Presse erinnert an Valsalva, Luft anhalten, Druck aufbauen. Schieben kenne ich aus der Geburtsbegleitung, ein gleichmäßiger, atemgeführter Vorgang statt eines kurzen kraftvollen Stoßes. Allein die Wortwahl verändert oft schon, wie eine Patientin presst, oder eben schiebt.

Zwei Kiwis am Tag gegen Verstopfung, mein Erfahrungstipp

Einen Tipp gebe ich seitdem öfter weiter, zuerst gehört von einer Kollegin. Zwei Kiwis am Tag. Ich war skeptisch, klang mir zu simpel für ein Problem, das ich sonst komplexer angehe. Aber ich habe es bei mir und bei Patientinnen beobachtet, und es funktioniert auffällig oft.

Also habe ich geschaut, warum. Kiwi enthält viel löslichen Ballaststoff mit hoher Wasserbindungskapazität, der Stuhl wird voluminöser und weicher. Dazu Actinidin, ein Enzym, das beim Eiweißabbau hilft. Und es gibt Hinweise auf eine bifidogene Wirkung im Darm. Kein Zufall also, kein reiner Placebo-Effekt.

Mit oder ohne Schale essen?

Mit Schale essen, einfach abgewaschen, im Ganzen wie einen Apfel, oder klein geschnitten. Der Ballaststoffanteil liegt mit Schale bei rund 3,5 statt 2,1 Gramm pro 100 Gramm. Wer die Textur nicht mag, gibt die Kiwi in den Smoothie.

Falls jemand nach dem Essen ein Kribbeln im Mund spürt: kleine Kristalle in der Schale, bei empfindlichen Schleimhäuten manchmal ein kurzes Stechen. Harmlos.

Eine Einschränkung gehört dazu: die Studien zur Stuhlfrequenz liefen mit dem Fruchtfleisch, nicht mit der Schale. Dass die Schale zusätzlich hilft, ist naheliegend, aber nicht eigenständig erforscht.

Fazit für die Praxis

Zwei Kiwis am Tag also als einfache Ergänzung, wenn eine Patientin von Pressen oder seltenem Stuhlgang berichtet. Kein Ersatz für eine genaue Abklärung, aber ein niedrigschwelliger erster Schritt.

Wenn euch das auch zunehmend begegnet, würde mich das interessieren.

Wer tiefer in Beckenbodenthemen einsteigen möchte, findet in meinem Shop passende Kurse und Materialien für die Praxis.











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Quellen zu den genannten Studien:

Bayer SB, Heenan P, Frampton C, Wall CL, Drummond LN, Roy NC, Gearry RB. Two Gold Kiwifruit Daily for Effective Treatment of Constipation in Adults, A Randomized Clinical Trial. Nutrients. 2022;14(19):4146.

Chey SW, Chey WD, Jackson K, Eswaran S. Exploratory Comparative Effectiveness Trial of Green Kiwifruit, Psyllium, or Prunes in US Patients With Chronic Constipation. Am J Gastroenterol. 2021;116(6):1304-1312.



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Beckenbodentraining ohne Verbesserung